Begriffe rund ums Nähen

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Dieses Nählexikon habe ich zusammen mit meiner Kollegin Melanie Kohl erarbeitet, dass bisher nur in meinen Schnittmustern zu finden war. Nun ist es für alle da! Wenn ihr Begriffe vermisst, dann bitte schreibt das im Kommentar auf, damit wir dieses Lexikon ständig erweitern können.

Abnäher

Ein Abnäher formt den Stoff so, dass er sich optimal der Körperform anpassen kann, wie beispielweise im Brust-/ Taillen- und Hüftbereich. Die Nahtlinien der Abnäher werden aufeinander gelegt, gesteckt und dann vom breiten Bereich zur Abnäherspitze gesteppt.

Applikation / Applizieren

Eine Applikation ist ein aufgenähtes oder aufgeklebtes Dekorstoffteil / Verzierung. Applizieren ist das Aufnähen oder Aufkleben eines Dekorstoffteils oder einer Verzierung auf den Stoff.

Beleg

Der Beleg wird auch Blende oder Besatz genannt. Er dient zur Versäuberung und Stabilisierung der Stoffkante eines Nähstückes, wie beispielsweise an Halsausschnitten,  Vorderkanten bei Jacken/Mänteln oder Armausschnitten. Meist wird ein Beleg noch mit Klebeeinlage verstärkt, um genügend Halt zu bieten.

Einfassen

Beim Einfassen wird ein Schrägband, welches auch vorgefaltet sein kann, um offene Schnittkanten oder Säume genäht und damit versäubert. Es kann so auch als Verzierung eingesetzt werden.

Einlage / Klebeeinlage

Einige Teile, wie zum Beispiel das Revers, Knopfleisten, Kragen und auch der Bund von Kleidungsstücken werden für einen besseren Stand mit Einlagen verstärkt. Einlagen sind oft aus Vlieseline und in verschiedenen Stärken erhältlich. Die Stärke und Art der Einlage ist vom Stoff und der Verarbeitungsmethode abhängig. Die meisten Einlagen besitzen eine Klebefläche und lassen sich somit problemlos auf die linke Seite des Stoffes aufbügeln.

Einschlag / Umschlag / Umbruch

So nennt man das Zurückfalten entlang einer bestimmten Linie. Beispiel: ein Saumeinschlag von 4,0cm bedeutet, das Schnittteil an der vorgesehenen Stelle 4,0cm breit zu falten im gleichen Abstand zur Schnittkante.

Einschneiden

Das Einschneiden dient dazu, dass sich der Stoff nach dem Nähen und Wenden optimal um die Nahtlinie oder Kante legt.

An nach außen gewölbten Rundungen werden in die Nahtzugabe kleine Dreiecke eingeschnitten. Nach innen gewölbte Rundungen werden innerhalb der Nahtzugabe eingeschnitten und an Ecken werden die Nahtzugaben zurück geschnitten.

Fadenlauf

Der Fadenlauf liegt parallel zur Webkante und ist die Längs- bzw. Kettrichtung eines Stoffes. Schnittteile werden in Richtung des Fadenlaufes zugeschnitten. Es ist wichtig dies beim Zuschneiden zu beachten, um ein Verziehen oder Verdrehen des fertigen Nähstückes zu vermeiden. Im Allgemeinen verläuft der Fadenlauf eines Schnittteiles von oben nach unten in Richtung Saum. Um einen bestimmten Effekt zu erzielen, werden manche Schnittteile quer zum Fadenlauf oder im schrägen Fadenlauf zugeschnitten. Der Fadenlauf ist aber immer auf den Schnittteilen markiert.

Falten

Anders als beim Kräuseln wird hier der Stoff anhand von Markierungen vor- und zurückgeschlagen, so dass zwei Brüche entstehen.

Man unterscheidet im Wesentlichen Legefalten sowie Keller- bzw. Quetschfalten. Bei Legefalten zeigen die Falten in eine Richtung und werden zum Beispiel von links nach rechts gelegt (gefaltet). Bei symmetrischen Schnittteilen zeigen dann die Faltenöffnungen (oben liegender Faltenbruch) aufeinander zu oder voneinander weg. Anders beim Plisseerock: da hat man ganz viele Legefalten, die ringsum den gesamten Rock in die gleiche Richtung verlaufen.

Keller- und Quetschfalten sind Doppelfalten, wobei bei einer Kellerfalte die zwei oben liegenden Faltenbrüche aneinander stoßen. Bei der Quetschfalte stoßen die unten liegenden (nicht sichtbaren) Faltenbrüche aneinander.

Futter / gefüttert

Unter Futter versteht man beim Kleidungsstück die innere Auskleidung, die dazu dient, das Innenleben, wie zum Beispiel  unversäuberte Nahtzugaben, Taschenbeutel, Klebeeinlage oder Schulterpolster abzudecken. Manchmal lassen sich gefütterte Kleidungsstücke leichter anziehen, wie beispielsweise Jacken und Mäntel aus wollenen Stoffen, wobei als Futterstoff ein glatter, rutschiger Stoff verwendet wird.

Geradstich

Dieser ist der gebräuchlichste unter allen Sticharten und kann mit jeder Haushaltnähmaschine gemacht werden. Er wird zum Schließen von Teilungsnähten, zum Steppen und Verstürzen und sogar zum Heften eingesetzt. Er ist zum Zusammennähen sämtlicher nicht-dehnbaren Stoffe geeignet. Nur elastische Nähte schließt man besser mit Overlock- oder Zickzack-Naht. Bei Dehnung des elastischen Stoffes kann die Geradstich-Naht reißen.

Heften

Heften ist Nähen mit einem großen Stich mit einem dickeren oder hervorhebenden Garn. Es dient zur Fixierung von Stofflagen, um das Nähen dieser Stofflagen zu erleichtern. Das Garn wird nach dem Nähen wieder entfernt. Der Heftstich wird auch beim Kräuseln oder Einreihen von Stoff verwendet.

Im schrägen Fadenlauf

Der schräge Fadenlauf verläuft in einem 45° Winkel zur Webkante des Stoffes. Das Zuschneiden im schrägen Fadenlauf unterliegt also keiner Willkür die das Positionieren der Schnittteile auf dem Stoff bestimmt.

Nicht elastische Stoffe erhalten durch einen schrägen Zuschnitt im 45° Winkel Elastizität. Bänder im schrägen Fadenlauf werden auch gerne für Einfassungen genommen, da sie sich besser in Rundungen legen (Schrägband).

Im schrägen Fadenlauf zugeschnittene Kleidungsstücke, insbesondere Röcke, wirken fließender und Figur umschmeichelnd.

Jersey

Jersey ist ein gewirktes Material, das ähnlich wie bei einer gestrickten Fläche eine mehr oder weniger hohe Elastizität erhält. Er ist aber viel dichter als eine Strickware.

Knappkantig steppen

Die Naht wird mit 2 -3 mm Abstand zur Stoffkante mit einem Geradstich genäht.

Knips

Knipse sind kerbförmige Markierungen an den Kanten von Schnittteilen und dienen dazu, zwei Schnittteile an der richtigen Stelle zusammenzufügen, die Position von Reißverschlüssen zu markieren oder auch als Nähhilfen (zum Beispiel beim Kräuseln, Einhalten oder Dehnen von Stoffen). Übertrage Knipse vom Schnittbogen auf den Stoff durch einen kleinen Einschnitt von ca. 5mm oder weniger in die Nahtzugabe.

Kräuseln / Einreihen

Mittels eines oder zweier Heftfäden, die man von Hand einziehen kann oder mit einem langen Geradstich bei lose eingestellten Oberfaden der Nähmaschine* wird eine lange Stoffstrecke auf ein kürzeres Maß zusammengeschoben. So entsteht eine Kräuselung des Stoffes.

(*Die Naht darf hier nicht verriegelt werden, da man sonst den Unterfaden nicht ziehen kann, um die Kräuselung zu erhalten.)

Linke und rechte Stoffseite

Die linke oder auch rechte Seite gibt die Stoffseite oder auch Warenseite an.

Dabei ist die linke Seite die Rückseite des Stoffes. Die rechte Seite ist die Oberseite des Stoffes, auch schöne Seite genannt und bei bedruckten oder beschichteten Stoffen einfacher zu erkennen.

Markieren

Alle wichtigen Markierungen vom Schnittbogen wie Punkte oder Linien (zum Beispiel  Endpunkte von Abnähern, Positionen für Knopflöcher, Knöpfe, Taschen und Applikationen) werden auf den Stoff mithilfe von Heftfäden oder Stecknadeln übertragen. Alternativ kann man Schneiderkreide oder Markierstifte verwenden.

Markierstifte

Siehe Schneiderkreide

Nahtlinie

Die Nahtlinie ist die Linie, entlang der die Schnittteile zusammengenäht werden. Bei einer Nahtzugabe von 1,0cm liegt die Nahtlinie genau 1,0cm neben der Schnittkante innerhalb des Schnittteils. Die Nahtlinie ist auf den Schnittteilen nicht immer eingezeichnet. (siehe hierzu auch Nahtzugabe)

Nahtzugabe

Die Nahtzugabe ist die Stoffbreite zwischen der eigentlichen Nahtlinie und der Schnittkante, welche für das Zusammennähen zweier Stoffstücke erforderlich ist. Diese Zugabe an Stoffen variiert abhängig von der Stoffart und der Verarbeitungsmethode. In der Regel enthalten die meisten Schnittteile von Schnittmusterbögen 1,0cm Nahtzugabe. Wenn die Nahtzugabe abweicht und beispielsweise nur 0,7cm oder 1,5cm oder 4,0cm (zum Beispiel  am Saum) beträgt, dann wird diese mit einem Knips gekennzeichnet. Eine gleichbreite Nahtzugabe erleichtert das Aufeinanderlegen und anschließende Nähen der Schnittteile erheblich.

Oberstoff

Der Begriff Oberstoff bezeichnet den oder die Hauptstoffe, die für die äußere Hülle des Kleidungsstückes verwendet werden. Diese können durchnummeriert werden mit den Bezeichnungen Oberstoff 1 (Stoff 1 / OS1 / S1), Oberstoff 2 (Stoff 2 / OS2 / S2) usw. Viele Kleidungsstücke bestehen nur aus einem Oberstoff. Andere werden aber mit anderen Stoffarten kombiniert wie zum Beispiel  Klebeeinlage oder Futter.

Offenkantig

Die Kante bleibt am Nähstück offen sichtbar und wird nicht nach innen eingeschlagen oder eingefasst. Die offene Kante ist meistens geschnitten und wird nicht versäubert, kann aber beispielsweise auch gerissen sein oder gelasert (nur in der Industrie). Diese Verarbeitung dient dem Design des Kleidungsstückes (beispielsweise fransende Jeansstoffe).

Overlock

Eine Overlock – Nähmaschine, kurz Overlock genannt, kann spezielle Nähte (Überwendlichstich, Rollsaum, T-Shirt-Saum etc.) ausführen und Nahtzugaben versäubern.

Overlock – oder auch Überwendlichnähte werden vor allem bei dehnbarem Material (zum Beispiel  Jersey) verwendet, weil auch der Nähstich die Dehnbarkeit des Materials nicht einschränkt. Alternativ kann man eine Zickzack-Naht verwenden.

Paspel

Farblich abgesetzt oder einfach aus glänzendem Material kann ein Paspel wie ein Band in einer Teilungsnaht oder einer Verstürzkante zwischengefasst werden und bildet so ein zierendes Element. Ein Paspel kann ein einfach längs zur Hälfte gefaltetes Schrägband sein oder noch mit einer Kordel (auch Gimpe genannt) gefüllt werden. Mit Kordel gefüllte vorgefertigte Paspelbänder kann man kaufen.

Paspeltasche

Eine Paspeltasche ist eine Tasche mit einem schlitzförmigen Eingriff, der an den Längsseiten mit einem Paspel begrenzt ist.

Rollsaum

Unter Rollsaum versteht man eine mit einem dichten, schmalen Overlockstich versäuberte Stoffkante.

Schneiderkreide

Schneiderkreide und Stoff-Markierstifte sind speziell für den Zuschnitt beim Nähen gebräuchliche Markierwerkzeuge, die sich leicht wieder vom Stoff reiben oder sich ausbügeln oder auswaschen lassen.

Schnittkante

Die Schnittkante ist die äußere Begrenzung jedes Schnittteils.

Schrägband

Schrägband ist ein im schrägen Fadenlauf geschnittenes Band, das zum Einfassen von Kanten, zum Herstellen von verstürzten Bändern (zum Beispiel  ein Jackenaufhänger oder Schlaufen) oder zum Zwischenfassen als Paspel verwendet wird.

Schulterpolster

Bei bestimmten Jacken- oder Mantelmodellen, aber auch bei Blusen und anderen Oberteilen kommen manchmal Schulterpolster zum Einsatz. Sie sind meistens aus Schaumstoff oder auch aus verschiedenen Watte- und Filzschichten aufgebaut. Schulterpolster werden unsichtbar auf der Unterseite des Schulterbereiches am Kleidungsstück befestigt und zum Teil innen mit einem Futter abgedeckt. Sie dienen der Stabilisierung der Schulterpartie oder auch der besonderen Formgebung bei manchen Modellen.

Steppen / Steppstich

Ein Steppstich ist ein gerader Nahtstich (Geradstich). Außer zum Schließen (zusammensteppen) von Nähten kommt der Steppstich vor allem zum Einsatz, um Nähte und Kanten abzuflachen und dabei gleichzeitig zu verzieren. Steppnähte sieht man zum Beispiel  an Jeanskleidung* mit doppelten oder mehrfachen Stepplinien nebeneinander, an Verstürzkanten entweder knappkantig oder in einem breiteren Abstand von der Kante. Man kann auch ganze Flächen steppen, um zwei oder mehrere Stofflagen großflächig mit einander zu verbinden (Wattierung).

(*Die Steppnähte an Jeanskleidung in der industriellen Verarbeitungsweise nennt man Kappnähte und werden etwas anders gearbeitet als eine klassische Steppnaht)

Stoffbreite

Hierunter versteht man das Maß von einer Webkante zur gegenüberliegenden Webkante.

Stoffbruch

Wenn man den Stoff faltet (zum Beispiel auf die Hälfte) und dieser also doppelt liegt, dann bezeichnet man die gefaltete Kante als Stoffbruch.

Teilungsnaht

Das ist eine formgebende Naht zwischen 2 Schnittteilen.

Überwendlichnaht

Siehe Overlock

Verriegeln / Naht sichern

Jede Naht sollte man am Anfang und am Ende mit ein paar Stichen zurück und wieder vorwärts vernähen. So wird ein Aufgehen der Naht verhindert.

Versäubern

Mit Hilfe des Versäuberns wird ein Ausfransen der Nahtzugabe nach dem Nähen verhindert. Versäubern der Nahtzugabe ist mittels einer Zickzack-Naht oder Overlocknaht möglich, aber zum Beispiel auch durch Einfassen mit einem Schrägband.

Verstürzen / Verstürzkante

Hierbei werden zwei Schnittteile zunächst rechts-auf-rechts zusammengenäht. Die Nahtzugaben werden an Rundungen eingeschnitten und anschließend auseinandergebügelt. Nur durch das Einschneiden an Rundungen legt sich der Stoff schön.

Watte / Wattierung

Watte ist ein voluminöses Polstermaterial, das es wie andere Stoffe als Meterware zu kaufen gibt. Unter einen anderen Stoff gesteppt nach einem bestimmten selbstgewählten Muster (zum Beispiel  Rauten oder Streifen) erhält man eine schöne dreidimensionale Optik (Wattierung). Man kann damit aber auch Kleidungsstücke einfach füttern (Anorak). Auch für Applikationen oder bei Schulterpolstern kann man mit Watte arbeiten.

Webkante

Hierunter versteht man die Stoffkante einer Stoffbahn in Richtung der Längsfäden.

Zickzack-Naht

Eine Zickzack-Naht kann mit den meisten Haushaltsmaschinen gemacht werden und funktioniert wie bei einem Geradstich mit dem Unterschied, dass die Einstiche der Nähnadel abwechselnd versetzt sind. Dies kann mit unterschiedlichen Stichlängen und Stichbreiten variiert werden. Die Zickzack-Naht kann als Zierstich (zum Beispiel  bei Applikationen), als Versäuberungsnaht alternativ zur Overlocknaht oder als  elastische Naht (zum Beispiel  bei Jersey) eingesetzt werden.

 

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Herzlichst. Evelyn & Melanie

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